Heimat

Um das Jahr 860 gründete der Heilige Ansgar, Erzbischof von Bremen, das Kloster Birxinon (Bassum). Er wählte dazu einen Hügel aus (den heutigen Kirchplatz), der am Rande der Sture (Klosterbach) lag. Es war ein Kanonissenstift, in dem die Töchter der Adligen nach den Regeln des Heiligen Benedikt lebten. Nach der Reformation wurde das Kloster im Jahre 1541 in ein freiweltliches adeliges Damenstift umgewandelt. Das damalige Kloster gewann durch reichliche Schenkungen Vermögen und Einfluß. Die große Schenkung der frommen Edelfrau Luitgart war Beispiel und Grundlage für die Vermögensbildung. Gebäude wurden gebaut und man entschloß sich, die alte im Blockhausstil erbaute Kirche durch einen größeren Bau zu ersetzen. In den Jahren um 1200 entstand ein neues Gotteshaus im romanischen Stil. Nach dem großen Brand von 1327 wurde die zerstörte Kirche unter Anwendung gotischer Bauformen als dreischiffige Hallenkirche mit Querschiff und Vierungsturm neu erbaut. Die historische Entwicklung Bassums stand später ganz im Zeichen der Grafen von Hoya. Um 1230 errichteten sie die Vogtei Freudenburg, aus der dann das Amt und schließlich der Flecken Freudenberg hervorging. Nördlich des damaligen Klosters Birxinon sorgte ein altes Adelsgeschlecht durch Ansiedlung für die Anfänge des Fleckens Loge.

Das Seminar- und Tagungshaus „Die Freudenburg“ entstand 1990 - 93 in den Gebäuden des Amtshauses von ca. 1730 und der Amtsschreiberei aus dem 16. Jahrhundert des ehemaligen Amtes Freudenberg. Die verbliebenen Gebäude stehen innerhalb der historischen Befestigungen (Wall und Graben) des früheren Schlosses Freudenberg, das um 1290 als Vogteifeste der Grafen von Oldenburg-Bruch- hausen neben dem hochadligen Damenstift Bassum (gegr. um 860) errichtet worden war und später in den Besitz verschiedener Landesherren gelangte.

Von der mittelalterlichen Feste ist östlich des Hofes noch die backsteingotische Amtsstube (das so genannte Verlies) aus dem 14. Jahrhundert erhalten.

Im Stift Bassum, als Institution der mittelalterlichen Adelskirche, lebten Kanonissen, also adlige Stiftsdamen im Sinne der Aachener Kanonissenregel von 816. Sie konnten so im Unterschied zu Nonnen die Stiftsgemeinschaft wieder verlassen, und ihnen war Privatbesitz erlaubt. Ihre Hauptaufgabe war das feierliche Gotteslob, die Fürbitte für Lebende und Tote, die Ausbreitung des christlichen Glaubens in der Region und die Fürsorge für die Armen. Auch unterhielt das Stift ein Krankenhaus. Versuche im Hochmittelalter, die Kanonissen zu Nonnen zu machen, blieben erfolglos. Die Reformation wurde 1541 durch Graf Jobst I. von Hoya nach dem Tod der letzten katholischen Äbtissin, Anna Freese, eingeführt. Der Lutherschüler Adrian Buxschott verfasste 1544 eine evangelische Klosterordnung. Chorgebet und regelmäßiger Gottesdienst blieben weiter Mittelpunkt des geistlichen Lebens. Erst im 18. Jahrhundert wurde das hergebrachte Stundengebet eingestellt. Mit dem Aussterben der Grafen von Hoya fiel 1582 das Stift Bassum an das Welfenhaus in Hannover. 1629/30 versuchte Fürstbischof Franz Wilhelm von Osnabrück vergeblich, das Stift dem Katholizismus zurückzugewinnen. Die Abtei, ein gewaltiger Fachwerkbau (1754-1781), enthält im oberen Stockwerk den prächtigen Kapitelsaal und das Kanonikuszimmer, deren Wände mit Tapeten aus Rupfenstoff bespannt sind, bemalt mit spätbarocken und klassizistischen Elementen in den Tönen Rosa und Grau. Der Saal dient heute u.a. auch für standesamtliche Eheschließungen und Konzerte. In jedem Herbst findet im Kapitelsaal ein ordensgeschichtlicher Seminartag statt. Hinter dem Kanonikuszimmer mit seinen antikisierenden Ruinendarstellungen sind im ehemaligen Kanonikusschlafzimmer u.a. ein zu einem Altarbehang umgestaltetes, farbig besticktes Stiftsdamenkleid aus der Rokokozeit, eine spätgotische Mönchsfigur und Aufschwörungstafeln von Stiftsdamen zu sehen. An den Wänden in der Eingangshalle der Abtei befinden sich die Wappen der Kapitularinnen der letzten Jahrhunderte. Mehrere in Fachwerk ausgeführte ehemalige Stiftsdamenhäuser der Barockzeit stehen - liebevoll konserviert - als Wohnhäuser rund um den großen und den kleinen Stiftshof.

Eines wird heute von der Kirchengemeinde als Haus der Evangelischen Jugend genutzt. Die alte Rentei dient als evangelischer Kindergarten. Im nahen Stiftsforst steht noch die gewaltige Gerichts-Eiche, unter der das stiftische Niedergericht abgehalten wurde. Sie heißt auch Kaffee-Eiche, weil sich hier die Stiftsdamen zur Biedermeierzeit gern zum Kaffee niederließen. Die ganz in warmrotem Backstein erbaute Stiftskirche St. Mauritius und St. Viktor ist ein kunsthistorisch sehr bedeutendes Bauwerk in der ehemaligen Grafschaft Hoya. Als Bauzeit der Kirche wird etwa die Mitte des 13. Jahrhunderts angenommen, wobei der Altarbereich am ältesten ist. Hier ist eine starke Ähnlichkeit mit der Stiftskirche Jerichow in Sachsen-Anhalt festzustellen. Entsprechend ihrer Doppelfunktion als Stifts- und Pfarrkirche ist sie auf der Grenze zwischen Stiftsbezirk und früherem Gemeindefriedhof errichtet. Ein mächtiges Satteldach bedeckt einheitlich das Langhaus. Es bildet mit dem quadratischen (ca. 45m hohen) Vierungsturm, Chor und Querhaus eine kraftvolle Baugruppe, die einen - weithin sichtbaren - stattlichen Eindruck macht. Am Fronleichnamstag des Jahres 1327 wurden Stift und Kirche durch eine Feuersbrunst schwer heimgesucht. Die beiden Westtürme als Pendant zum (bis zum Brand 1797 fast 90m hohen) Vierungsturm sind nicht wieder errichtet worden. Sonst hat man die Kirche aber weitgehend in den alten Formen wiederhergestellt. Von der mittelalterlichen Ausstattung der Kirche ist leider so gut wie nichts erhalten. Quellen aus der Zeit um 1700 berichten noch von Altären des 15. Jahrhunderts und von alten Wandmalereien im Chor. Die letzten Reste des mittelalterlichen Bestandes scheinen außer durch einen erneuten Brand 1797 bei der Renovierung 1866/69 verlorengegangen zu sein.